Zum Hauptinhalt springen


New Work in New Sendling

Wie sieht unsere Arbeitswelt nach Corona aus? Wie entwickelt sich Münchens Bedarf nach Office-Immobilien angesichts des Trends zum Homeoffice? Wie sehen Büros aus, die Mitarbeiter*innen an das Unternehmen binden?

Am Rande der Baugrube in der Gotzinger Straße 19 in München Sendling blieb den Gästen aus Nachbarschaft, Politik, Verwaltung und Wirtschaft genug Raum für inspirierende Gespräche. So wurde mit der Grundsteinlegung zugleich ein Grundstein für die neue Vernetzung im Viertel gelegt.

Münchens Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner gratulierte Matthias Ottmann zum Konzept und dem Standort der neuen Immobilie. “Ich begrüße es außerordentlich, dass gerade hier in Sendling – einem klassischen Viertel in dem sich Arbeit und Leben mischen – wieder ein Objekt entsteht, das Gewerbe zum Gegenstand hat”, so Baumgärtner. Der nach wie vor geringe Leerstand bei Büroimmobilien zeige, dass München dringend Büroflächen benötige. “Das Thema Homeoffice wird der Nachfrage keinen Abbruch tun”, so die Einschätzung des Referenten für Arbeit und Wirtschaft.

Auch bei einer stark in die Zukunft gerichteten Immobilie lohnt es sich, in die Vergangenheit zu blicken. So zog Urban-Progress-GründerMatthias Ottmann in seiner Ansprache einen Bogen zurück ins Jahr 1885, in dem sein Großonkel Karl Stöhr eine Baufirma gründete, die 1911 mit dem Fruchthof den ersten Gewerbehof Münchens gebaut hat. Das Gebäude hat 2005 den Fassadenpreis der Landeshauptstadt München erhalten und steht heute exakt gegenüber des nun von Matthias Ottmann entwickelten Bürohauses.

Nach vielen Jahren als erfolgreicher Wohnungsbauer in dem von seiner Familie 1936 gegründeten Unternehmen Südhausbau betritt Ottmann mit comN – das Netzwerkhaus erstmals das Feld der Gewerbeimmobilien. Die Podiumsgäste sind sich einig: Der Ankauf und die Entwicklung des Areals durch das von ihm in 2015 gegründete Unternehmen Urban Progress ist ein Glücksfall für das Quartier. Das liegt auch an der Art und Weise wie das Projekt angegangen wurde. Im Wohnungsbau hat Ottmann die Planung aus der Perspektive der späteren Bewohner*innen verinnerlicht. Von dieser Herangehensweise profitieren die zukünftigen Mieter*innen der Büroimmobilie. 

Architektin Ruth Berktold, YES Architecture, hob einige Besonderheiten der in Brickhouse-Architektur konzipierten Immobilie hervor. Der offene Eingangsbereich mit der Townhall, die sich für Firmen-Präsentationen ebenso eigne wie für Filmabende, erfülle eine wichtige Funktion, um gelebte Gemeinschaft zu fördern.

Nach Einschätzung von Architektin Berktold werde sich neben der Gastronomie im Erdgeschoss auch der für alle Mieter*innen frei zugängliche Dachgarten mit dem Blick über Sendling besonderer Beliebtheit erfreuen.

Berktold betonte, dass sich die Ansprüche der Unternehmen an Büroräume stark veränderten. Entsprechende Anfragen von Mietinteressenten bestätigen diese Einschätzung. “Wir haben eine Planung für einen Mieter, da ist ein Fitness-Club ebenso  vorgesehen wie Schlafzonen. Menschen denken und arbeiten heute einfach anders”, so Berktold.

Auch IHK-New Work Experte Sebastian Johnzeigte sich von dem Konzept überzeugt: Das Gebäude reagiere auf den zu beobachtenden Trend zur Flexibilisierung der Rahmenbedingungen von Arbeit: “Unabhängigkeit von Ort und Zeit des Arbeitens, begleitet von einem Trend hin zu weniger Hierarchien und zu mehr Netzwerkarbeit in Unternehmen. So eine Arbeitswelt braucht natürlich auch entsprechende Arbeitsflächen und Begegnungsflächen im Büro”, erklärt John.

Von der Offenheit und Transparenz der Immobilie zeigte sich der Bezirksausschussvorsitzende Markus Lutz überzeugt. “Das charmante an dem Gebäude ist, dass es sich zum Stadtviertel hin öffnet und nicht nur für Büronutzer*innen zugänglich ist. Es ist sehr positiv, dass man Leben und Arbeiten zusammen bringt”, so Lutz. Das Besondere an Sendling sei durch die Großmarkthalle immer auch gewesen, dass man in diesem Viertel lebt und arbeitet. “Wir wollen aus Sendling kein reines Schlafviertel machen. Eine gute Mischung macht auch einen guten Stadtbezirk aus. Da ist dieses Projekt unserer Meinung nach ein gutes Beispiel dafür”, so Lutz.

Münchens Hidden Champion: Der Standort im Herzen Sendlings an der Gotzinger Straße ist geprägt von der authentischen Atmosphäre der quirligen Großmarkthalle und entwickelt sich derzeit zu einem kulturellen Zentrum der Stadt.

Neben kleinen Läden, Ateliers und viel Kultur findet sich im Umfeld ein besonders reiches Gastronomieangebot: Familiär geführte italienische Restaurants, altbayerische Wirtshäuser und arabisches Streetfood bilden ein kulinarisches Gesamtkunstwerk, das durch den Magen geht.

Ein Viertel im Wandel: Mit der Alten Utting gibt es seit 2018 ein Wahrzeichen für die Veränderungen im Quartier rund um das Gelände der Großmarkthalle. Subkulturelle Angebote wie das Containerdorf Bahnwärter Thiel und der Ausstellungsort Das Klohäuschen werden ergänzt durch Hochkultur. Das neue Münchner Volkstheater soll im Herbst 2021 auf dem Viehhof-Gelände eröffnen, für den gleichen Zeitraum ist der Umzug des Gasteig in das Interims-Quartier zwischen Großmarkthalle und Isar geplant. Bereits in diesem Jahr hat das neue Stadtteilkulturzentrum LUISE seine Tore geöffnet.

Fakten:

  • Lage: Gotzinger Straße 19, München-Sendling
  • Fläche: insgesamt 3.500 qm Nutzfläche
  • Architektur: Ruth Berktold, YES Architecture
  • Besonderheiten:
  • einladende Townhall als Herzstück des Gebäudes
  • Gastronomie mit Freischankfläche
  • Event- und Kollaborationsflächen
  • 4 lichtdurchflutete Ebenen als Working-Spaces
  • Rooftop Garden: begrünte Dachterrasse
  • Fassade: Ziegel und Klinker im Grauton
  • Planungsbeginn: 2018
  • Fertigstellung: 2021